Verlautbarung des Schweizer Musikrates zum Paket «Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU»
- Schweizer Musikrat
- 8. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Der Schweizer Musikrat unterstützt das vom Bundesrat ausgehandelte Paket zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU ausdrücklich. Ein stabiles Verhältnis zur Europäischen Union ist für die kulturelle, bildungspolitische und wirtschaftliche Zukunft unseres Landes von strategischer Bedeutung. Die geplante Wiedereinbindung der Schweiz in Programme wie Horizon Europe und Erasmus+ stärkt Forschung, Bildung und Austausch – zentrale Voraussetzungen für eine lebendige Musik- und Kulturlandschaft.
Umso unverständlicher ist, dass der Kulturbereich im aktuellen Verhandlungspaket fehlt. Kultur ist keine Nebenfrage, sondern eine strategische Ressource: Sie stiftet Identität, fördert Resilienz und Zusammenhalt – und verbindet die Schweiz mit Europa auf einer zutiefst menschlichen Ebene. Der kulturelle Austausch über Grenzen hinweg schafft Vertrauen, stärkt demokratische Werte und trägt zu einem friedlichen, offenen Europa bei.
Für den Musik- und Kulturbereich ist die volle Teilnahme an Creative Europe – neben Erasmus+ und Horizon Europe – unverzichtbar. Das europäische Kulturprogramm ermöglicht Kooperation, Innovation und Sichtbarkeit für Schweizer Kulturschaffende. Seit über zehn Jahren fordert der Bundesrat selbst eine Wiederbeteiligung – nun gilt es, dieser Forderung Taten folgen zu lassen. Der Schweizer Musikrat ruft den Bundesrat und das Parlament daher auf, die Verhandlungen für einen (Wieder-)Beitritt zum Arbeitsbereich KULTUR von Creative Europe umgehend aufzunehmen.
Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass die bewährten Förderinstrumente der Schweiz – etwa im Musikexport, bei Kulturpreisen oder der Filmförderung – auch unter neuem EU-Recht vollumfänglich bestehen bleiben. Die kulturelle Eigenständigkeit der Schweiz darf durch Wettbewerbsbestimmungen nicht eingeschränkt, sondern muss im Rahmen der europäischen Flexibilitäten aktiv gesichert werden.
Auch die Personenfreizügigkeit, Austauschprogramme und Mobilitätsförderungen – insbesondere über Erasmus+ und Movetia – sind für den Musik- und Kulturbereich essenziell. Sie ermöglichen Tourneen, Kooperationen und Weiterbildungen, die Kreativität, Sprachkompetenz und internationale Vernetzung fördern.
Der Schweizer Musikrat unterstützt das Gesamtpaket als wichtigen Schritt für ein zukunftsfähiges Verhältnis zur EU. Gleichzeitig fordert er:
die sofortige Aufnahme von Verhandlungen zur Beteiligung am europäischen Kulturprogramm Creative Europe;
die rechtliche Sicherung kultureller Förderinstrumente im Rahmen der EU-Beihilfebestimmungen;
die institutionelle Verankerung eines regelmässigen Kulturdialogs zwischen der Schweiz und der EU.
Die Schweiz ist Teil des europäischen Kulturraums. Ihre musikalische und kulturelle Vielfalt gehört zur gemeinsamen Identität Europas. Eine stabile Partnerschaft mit der EU muss daher nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell wachsen – im Interesse der Kreativität, der Demokratie und der Zukunft unseres Landes.
