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Wie fair sind die Arbeitsbedingungen im Schweizer Musikleben?

  • vor 15 Minuten
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Diese Frage stand im Zentrum der jüngsten Mittagsveranstaltung der Parlamentarischen Gruppe Musik (PGM) im Bundeshaus. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verbänden, Kulturförderung und Musikpraxis diskutierten wir über soziale Absicherung, Mindestgagen und Berufsrisiken von Musikerinnen und Musikern.


Die Referate machten deutlich: Es geht längst nicht mehr nur um Kulturpolitik, sondern um Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik. Professionelles Musikschaffen ist Arbeit – und Arbeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen.


Michael Kaufmann (SONART) zeigte auf, wie die Honorarempfehlungen der Branche zu einem wichtigen Instrument für faire Verhandlungen geworden sind. Gleichzeitig bleibt die Lücke zwischen Anspruch und Realität gross: Viele professionelle Musikschaffende arbeiten nach wie vor unter prekären Bedingungen.


Diego Dahinden (PETZI) machte deutlich, dass faire Honorare nicht ohne faire Finanzierung zu haben sind. Clubs und Festivals stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck – höhere Standards ohne zusätzliche Mittel würden die Prekarität lediglich innerhalb des Systems verschieben. Besonders eindrücklich war die Erkenntnis: Das Problem ist nicht eine mangelnde Nachfrage, sondern eine strukturelle Finanzierungslücke.


Franziska Burkhardt (Kultur Stadt Bern) zeigte anhand der Berner Förderpraxis, dass die Verknüpfung von Fördergeldern mit Honorarrichtlinien funktioniert – allerdings nur, wenn Politik und öffentliche Hand bereit sind, die notwendigen Mittel bereitzustellen und den Wandel aktiv zu begleiten.



Besonders bewegend war der Beitrag von Muriel Noble (Schweizerischer Musikerverband SMV). Sie machte deutlich, welche existenziellen Folgen Krankheit, Schwangerschaft oder der Ausfall von Engagements für freischaffende Musikerinnen und Musiker haben können. Wer in der Schweiz als intermittierend tätige Musikerin eine Familie gründen möchte, sieht sich häufig mit erheblichen finanziellen und beruflichen Risiken konfrontiert.



Zum Abschluss konnten die Teilnehmenden ihre Einschätzung mittels Mentimeter einbringen. Das Stimmungsbild fiel bemerkenswert klar aus: Den grössten Hebel für bessere Rahmenbedingungen sehen die Anwesenden in einer stärkeren Kulturförderung (4,3 von 5 Punkten) und in verbesserten Sozialversicherungen für Musikschaffende (4,0). Verbindliche Mindesthonorare und die Kopplung von Fördergeldern an faire Honorare fanden ebenfalls breite Unterstützung.



Die Diskussion hat gezeigt: Faire Arbeitsbedingungen im Musikleben sind kein Randthema einer einzelnen Branche. Sie betreffen die Zukunft eines kulturellen Ökosystems, das für die Schweiz von grosser gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung ist. Wer Qualität und Vielfalt im Musikland Schweiz erhalten will, muss sich auch mit den Bedingungen auseinandersetzen, unter denen diese Musik entsteht.


Ein herzlicher Dank geht an Ueli Schmezer für die Leitung der Veranstaltung sowie an alle Referierenden und Teilnehmenden für die engagierte Diskussion. Alle Beiträge können nachgelesen werden auf der Homepage des Schweizer Musikrates. Die Parlamentarische Gruppe Musik wird den Dialog zwischen Politik und Musikleben weiterführen – die nächste Mittagsveranstaltung findet am 16. September 2026 statt.

 
 
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